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Jugendberufsagenturen

Grundlagen


Die Erkenntnis, dass die Förderung – insbesondere benachteiligter – junger Menschen auf ihrem Weg von der Schule in das Berufsleben ein abgestimmtes Vorgehen aller beteiligten Akteure auch auf strategischer Ebene erfordert, ist nicht neu.

Ein im Jahr 2000 von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung veröffentlichtes Gutachten zum „Zusammenwirken von Jugend- und Bildungs-/Berufsbildungspolitik zur Förderung der sozialen und beruflichen Integration benachteiligter Jugendlicher“ zeigt Ansätze verbindlicher Kooperationsaktivitäten in unterschiedlicher Ausprägung bereits seit Ende der 1980er Jahre auf und benennt Faktoren bzw. Voraussetzungen, die für das Gelingen einer effektiven Zusammenarbeit unerlässlich sind. Zu ihnen gehören insbesondere:

  • gleichberechtigte Kooperationspartner,
  • eine zentrale Steuerungsinstanz, welche die Akzeptanz aller Akteure genießt,
  • ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen,
  • Transparenz für die Akteure und die Zielgruppe,
  • politische Unterstützung und Absicherung sowie
  • eine (gemeinsame) Anlauf- und Beratungsstelle für die Zielgruppe.

Seit Inkrafttreten des SGB II im Januar 2005 sind – neben den Arbeitsagenturen (SGB III ) und den Trägern der Jugendhilfe (SGB VIII ) – auch die Jobcenter (SGB II  ) für die berufliche Eingliederung von sozial benachteiligten oder individuell beeinträchtigten jungen Menschen zuständig. Jeder dieser Akteure hat seine eigenen Budgets und Angebote. Da Jugendliche ohne Ausbildung und Arbeit sowohl dem Anwendungsbereich des SGB II und III als auch des SGB VIII unterliegen können, haben sie in der Regel noch mehr Ansprechpartner in unterschiedlichen Anlaufstellen. Aufgrund mangelnder Abstimmungen zwischen den drei genannten Rechtskreisen kommt es in der Praxis häufig zu Brüchen im Integrationsprozess. Das nahm die Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Jahr 2010 zum Anlass, das „Arbeitsbündnis Jugend und Beruf“ zu initiieren, das eine stärkere Verzahnung der vorhandenen Angebote und die Beratung „unter einem Dach“ zum Ziel hat.

Das Projekt startete im August 2010 mit einer ersten Projektstufe an zunächst sechs Modellstandorten, die bereits über Erfahrungen in der rechtskreisübergreifenden Zusammenarbeit verfügten. Dazu zählen z. B. das Jugend-Job-Center Plus in Düsseldorf, das Dienstleistungszentrum U25 in Nürnberg sowie die Jugendberufsagenturen in Darmstadt und Mainz. Gemeinsam mit diesen Standorten identifizierte und bearbeitete die Bundesagentur für Arbeit (BA) vier zentrale Handlungsfelder für eine erfolgreiche Kooperation unter folgenden Fragestellungen:

  • Transparenz: Wie können die Angebote unterschiedlicher Rechtskreise zusammen gestaltet werden? Sind die Maßnahmen transparent und anschlussfähig?
  • Informationsaustausch: Wie kann ein zielgerichteter und datenschutzkonformer Daten- und Informationstransfer aussehen?
  • Harmonisierte Abläufe und Maßnahmen: Wie können Abläufe und Maßnahmen besser vernetzt werden?
  • One-Stop-Government: Wie kann die Zusammenarbeit „unter einem Dach“ ausgestaltet werden?

In einer zweiten Projektstufe ab 2011 wurden 14 weitere Standorte, darunter auch Hamburg, zur Erprobung und Weiterentwicklung des Konzeptes in das Projekt einbezogen. Bis März 2014 gab es bereits 147 Standorte, an denen sich Arbeitsbündnisse in unterschiedlichsten Ausprägungen und unter verschiedenen Bezeichnungen bildeten. Weitere werden hinzukommen, denn die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag (S. 47) die flächendeckende Einrichtung von Jugendberufsagenturen, in denen die Leistungen nach den Sozialgesetzgebungsbüchern II, III und VIII für unter 25jährige gebündelt werden sollen, verankert. Wie die konkrete Umsetzung vor Ort aussehen soll, wird nicht vorgegeben. Das Konzept der Hamburger Jugendberufsagentur (Jugendberufsagentur Hamburg) dient allerdings vielerorts als Vorbild.

 

Weiterführende Links

  • Jugendberufsagenturen flächendeckend einrichten“: Stellungnahme der LAG Jugendsozialarbeit Bayern zur flächendeckenden Einführung von Jugendberufsagenturen (JBA) sowie zur Einschätzung konkreter Umsetzungsmöglichkeiten, insbesondere zur Beteiligung der Jugendämter Bezug: Antrag im Ausschuss Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration des Bayerischen Landtags, 10.12.2014.
  • Dokumentation: Fachtagung „Alle Jugendlichen erreichen!!! Jugendberufsagenturen: Kooperativ. Rechtskreisübergreifend. Flächendeckend.“, 3./4. September 2014, Berlin.
  • Jugendberufsagenturen aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe . Beitrag der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ, Frau Prof. Dr. Karin Böllert zu einem Fachgespräch der Bundesagentur für Arbeit „Hand in Hand oder unter einem Dach?“ Ansätze zur Gestaltung von Jugendberufsagenturen im Spiegel der Praxis am 24.06.2014 in Berlin.

  • Bericht der Landesregierung: Prüfung der Einrichtung von Jugendberufsagenturen in Schleswig-Holstein (Drucksache 18/1371). Schriftliche Anhörung des Bildungsausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Stellungnahme von Heiko Bennewitz (ism e.V./plusquam GmbH) und Dr. Michael Seligmann (ism e.V.), 31.05.2014.

Literaturhinweise
  • Arbeitsbündnisse für Jugend und Beruf: Die Initiative der Bundesagentur für Arbeit in Kooperation mit Bund, Ländern und Kommunen bekommt Rückenwind aus der Politik, Markus Schmitz, Forum Jugendhilfe, Heft 1, April 2014, Seite 9-13.