Home > Berufsorientierung > Berufsorientierung in Hamburg

Berufsorientierung in Hamburg

Grundlagen

Berufsorientierung ist lt. Hamburgischem Schulgesetz ein besonderer Bildungsauftrag, denn „auf allen Schulstufen und in allen Schulformen der allgemeinbildenden Schule ist in altersgemäßer Form in die Arbeits- und Berufswelt einzuführen und eine umfassende berufliche Orientierung zu gewährleisten. Dabei sind den Schülerinnen und Schülern grundlegende Kenntnisse über die Struktur der Berufs- und Arbeitswelt und die Bedingungen ihres Wandels zu vermitteln. Unterricht und Erziehung sind so zu gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler die für den Übergang in die berufliche Ausbildung erforderliche Berufsreife erwerben" (HmbSG, § 2 Abs. 3).

Laut § 33 SGB III gehört die Berufsorientierung aber auch zu den Pflichtaufgaben der Bundesagentur für Arbeit. Zusätzlich regelt der § 48 SGB III vertiefte Berufsorientierungsmaßnahmen.

Die Beteiligten des Aktionsbündnis für Bildung und Beschäftigung Hamburg (ABBH) - Hamburger Fachkräftenetzwerk (FKN) haben sich 2009 mit dem "Hamburger Programm"  zur Zusammenarbeit verpflichtetet und gemeinsame Leitsätze für die Berufs- und Studienorientierung entwickelt.

Auf Initiative des Aktionsbündnisses (ABHH-FKN) wurde zudem zwischen der Behörde für Schule und Berufsbildung sowie der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit die „Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung im Bereich der Berufs- und Studienorientierung" erstellt. In dieser ist der Fokus auf die Bewältigung der Übergänge von der Schule in den Beruf bzw. in das Studium gelegt. Es wurde ein Beratungs- und Begleitsystem entwickelt, bei dem die Zusammenarbeit „mit der Wirtschaft und ihren Organisationen und den weiteren Akteuren wie Arbeitnehmerorganisationen, Trägern der Jugendberufshilfe und den Hochschulen" ausgeweitet werden soll.

Seit 2015 verzahnen der Bund, die Freie und Hansestadt Hamburg sowie die Bundesagentur für Arbeit im Rahmen der Initiative Bildungsketten ihre Förderinstrumente und Unterstützungsangebote für Jugendliche, besonders auch die der Berufsorientierung.

Die Aufgaben der Schulen werden in den „Rahmenvorgaben für die Berufs- und Studienorientierung - Stadtteilschule und Gymnasium" bestimmt. Seit 2017 ist das "Rahmenkonzept - Berufsorientierung in der gymnasialen Oberstufe" maßgebend für den Weiterentwicklungsprozess der Schulen mit gymnasialer Oberstufe, denn "auch Abiturientinnen und Abiturienten fällt die berufliche Orientierung oft schwer." (s. Rahmenkonzept, S.1)

Mit der Rahmenvereinbarung, dem Hamburger Programm und den Rahmenvorgaben 2009 sowie dem Rahmenkonzept 2017 wurde ein wesentlicher Grundstein für die Berufs- und Studienorientierung in Hamburg gelegt.

Seit September 2012 ist die Berufsorientierung Bestandteil der Jugendberufsagentur. Auf der schulischen Ebene bildet die Berufsorientierung der Stadtteilschule die Schnittstelle zu den regionalen Standorten der Jugendberufsagentur. Diese knüpfen dabei an die Berufsorientierung an und verbinden sie mit der Beratung und Vermittlung im Rahmen der Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche oder mit der Überleitung in andere Anschlussperspektiven. 


Umsetzung

Aus den oben beschriebenen Konzepten ergeben sich folgende Kernbereiche einer nachhaltigen Berufs- und Studienorientierung:

  • Klärung der individuellen Interessen und Stärken,
  • Orientierung, Kompetenzprofil, Selbstorganisation und Lernplanung,
  • Praxiserfahrungen und individuelles Lernen in der Praxis bzw. an außerschulischen Lernorten,
  • Bildungsweg- bzw. Berufswegeplanung und bedarfsgerechte individuelle Beratung und Begleitung,
  • Verpflichtung aller Akteure zur Kooperation und Zusammenarbeit.

Die Berufsorientierung beginnt in der 8. Klasse und ist auf mehrere Schuljahre angelegt. Seit Beginn des Schuljahres 2011/2012 arbeiten die Stadtteilschulen eng mit den berufsbildenden Schulen und der Berufsberatung zusammen. Berufsschullehrer/-innen übernehmen vor allem in den Jahrgangsstufen 9 und 10 der Stadtteilschulen Aufgaben im Bereich der Berufs- und Studienorientierung. Dadurch werden u. a. Erfahrungen aus der Ausbildungspraxis und der Zusammenarbeit mit Betrieben im Rahmen von Lernortkooperationen eingebracht. Die Lehrkräfte bilden zudem die Schnittstelle zur Berufsberatung, die durch verschiedene Informations- und Beratungsangebote die Berufsorientierung insbesondere zu den Themen Ausbildung und Arbeit unterstützt. Im Jahr 2013 veröffentlichte die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) ein Konzept zur Berufs- und Studienorientierung in den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 der Stadtteilschule, welches nun an den Stadtteilschulen umgesetzt wird. 2014 folgten "Verbindliche Inhalte der Berufs- und Studienorientierung in den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 der Stadtteilschule."

Mit der Drucksache „Inklusive Bildung an Hamburgs Schulen“ (2012) und der "Vereinbarung zur Durchführung der Initiative Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss" (2015) hat sich Hamburg zum Ziel gesetzt, Strukturen und Maßnahmen zur Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen zu verbessern. Seit 2012 entwickelt das Projekt „Netzwerk B.O: Berufliche Orientierung: Inklusiv“ die Strukturen und Maßnahmen zur verbesserten inklusiven Berufsorientierung weiter und führt Berufsorientierungsmaßnahmen durch.

Aufbauend auf und ergänzend zur „Initiative Inklusion“ setzte das Hamburger Institut für Berufliche Bildung (HIBB) von 2014 bis 2017 das ESF-Projekt „dual & inklusiv: Berufliche Bildung in Hamburg“ um. Ziel des Projektes war es, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Behinderungen oder mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Teilhabe am Übergang Schule-Beruf und am ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Ein Schwerpunkt dieses Projektes war die inklusive Berufsorientierung; hier wurden an 26 Hamburger Stadtteilschulen Konzepte zur inklusiven Berufsorientierung entwickelt.
Grundsätzlich sollen zukünftig alle Berufsorientierungsmaßnahmen in Hamburg inklusiv ausgestaltet werden.

In Hamburg ist die „Servicestelle BOSO: Berufs- und Studienorientierung für Hamburg" (BOSO) seit 2013 mit der Koordinierung und Umsetzung von Maßnahmen der vertieften Berufsorientierung an Hamburger Stadtteilschulen, Gymnasien und ReBBZ (Regionalen Bildungs- und Beratungszentren) in Abstimmung mit der Jugendberufsagentur beauftragt. Die Servicestelle bietet auch über § 48 SGB III finanzierte Modulprogramme zur vertieften Berufs- und Studienorientierung an.

Neben den beruflichen Schulen, der Wirtschaft und anderen externen Akteuren sollen auch Eltern an der Berufsorientierung beteiligt werden. Für Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf werden darüber hinaus ggf. gemeinsame Gespräche unter Einbeziehung der Sorgeberechtigten und der Jugendhilfe durchgeführt, um gemeinsam eine Anschlussperspektive zu entwickeln.

Der Prozess der Berufsorientierung endet jedoch nicht immer nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule. Darum gibt es in Hamburg für die Jugendlichen, die nach der 10. Klasse noch keine Anschlussperspektive haben, ausbildungsvorbereitende Angebote, in der auch die Berufsorientierung eine zentrale Rolle spielt. Mehr zur Ausbildungsvorbereitung finden Sie hier.

 

Weiterführende Links

  • Die Leitfäden der Stadtteilschule unterstützen die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Praktikums in der Stadtteilschule. Sie enthalten Vorschläge und Hinweise für die Organisation der Praktika, Checklisten, Kopiervorlagen für Feedbackgespräche u.v.m.. Die Leitfäden erscheinen in abgestimmter Form für Schülerinnen und Schüler, Schulen sowie für Unternehmen.
  • Seit Sommer 2010 wird in Hamburg ein Berufs- und Studienwegeplan eingesetzt. Der Berufs- und Studienwegeplan dient sowohl der Planung der individuell erforderlichen Schritte als auch der Dokumentation des Standes der Übergangsplanung nach Klasse 10. Der Berufswegeplan wurde im Schuljahr 2010/2011 zunächst in allen Abschlussklassen und modellhaft ab Klasse 8 an sechs Schulen der Regionen Billstedt-Horn, Elbinseln und Lurup/Osdorf eingeführt. Seit dem Schuljahr 2011/2012 wird die Berufsorientierung flächendeckend ab Klasse 8 angeboten. In den Rahmenvorgaben zur Umsetzung finden Sie auch den Berufswegeplan.
  • Auf der Website der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Hamburg finden Sie viele nützliche Informationen, Links und Broschüren rund um die Ausbildungs-, Berufs- und Studienwahl für Schüler/-innen und Lehrer/-innen.
  • Die Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT Hamburg organisiert und fördert die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft und bietet Berufsorientierungsseminare für Schülergruppen, Schulprojekte und Lehrerfortbildung an. Darüber hinaus finden Sie hier u.a. Checklisten und Publikationen rund um das Thema Berufsorientierung.
  • Das Zentrum Schule & Wirtschaft des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg unterstützt und berät Schulen in Fragen zur Berufsorientierung und zur ökonomischen Bildung.