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Berufsorientierung in Hamburg

Grundlagen

Berufsorientierung ist lt. Hamburgischem Schulgesetz ein besonderer Bildungsauftrag, denn „auf allen Schulstufen und in allen Schulformen der allgemeinbildenden Schule ist in altersgemäßer Form in die Arbeits- und Berufswelt einzuführen und eine umfassende berufliche Orientierung zu gewährleisten. Dabei sind den Schülerinnen und Schülern grundlegende Kenntnisse über die Struktur der Berufs-und Arbeitswelt und die Bedingungen ihres Wandels zu vermitteln. Unterricht und Erziehung sind so zu gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler die für den Übergang in die berufliche Ausbildung erforderliche Berufsreife erwerben" (HmbSG, § 2 Abs. 3).

Die Berufsorientierung gehört aber auch zu den Pflichtaufgaben der Bundesagentur für Arbeit. Neben "der allgemeinen Berufsorientierung der Bundesagentur für Arbeit, die in § 33 SGB III Satz 1 und 2 beschrieben ist, gibt es auch die vertiefte Berufsorientierung nach § 33 SGB III Satz 3 bis 5. Darüber hinaus hat der Gesetzgeber die so genannte erweiterte vertiefte Berufsorientierung nach § 241q SGB III bestimmt. Die vertiefte Berufsorientierung nach § 33 SGB III bietet die Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender Schulen auf ihre Berufswahl durch Maßnahmen vorzubereiten, die bis zu vier Wochen dauern und regelmäßig in der unterrichtsfreien Zeit durchgeführt werden. Auf der Grundlage der (erweiterten) vertieften Berufsorientierung nach § 33 SGB III in Verbindung mit § 421 SGB III können Maßnahmen angeboten werden, die den Zeitraum von vier Wochen überschreiten und auch außerhalb der unterrichtsfreien Zeit durchgeführt werden können" (Handbuch Vertiefte Berufsorientierung, S. 6; Hrsg. Bundesagentur für Arbeit; 2010).

Ein Schwerpunkt der Reform des Übergangs Schule-Beruf ist die Weiterentwicklung der Berufs- und Studienorientierung. Die Beteiligten des Aktionsbündnis für Bildung und Beschäftigung Hamburg (ABBH) - Hamburger Fachkräftenetzwerk (FKN) haben sich mit dem "Hamburger Programm" zur Zusammenarbeit verpflichtetet und gemeinsame Leitsätze für die Berufs- und Studienorientierung entwickelt.

Auf Initiative des Aktionsbündnisses wurde zudem zwischen der Behörde für Schule und Berufsbildung sowie der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit die „Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung im Bereich der Berufs- und Studienorientierung" erstellt. In dieser ist der Fokus auf die Bewältigung der Übergänge von der Schule in den Beruf bzw. in das Studium gelegt. Es wurde ein Beratungs- und Begleitsystem entwickelt, bei dem die Zusammenarbeit „mit der Wirtschaft und ihren Organisationen und den weiteren Akteuren wie Arbeitnehmerorganisationen, Trägern der Jugendberufshilfe und den Hochschulen" ausgeweitet werden soll.

Die Aufgaben der Schulen wurden vor allem in den „Rahmenvorgaben für die Berufs- und Studienorientierung - Stadtteilschule und Gymnasium" bestimmt.

Mit der Rahmenvereinbarung, dem Hamburger Programm und den Rahmenvorgaben wurde 2009 ein wesentlicher Grundstein für die Berufs- und Studienorientierung in Hamburg gelegt. Seit September 2012 ist die Berufsorientierung Bestandteil der Jugendberufsagentur. Auf der schulischen Ebene bildet die Berufsorientierung der Stadtteilschule die Schnittstelle zu den regionalen Standorten der Jugendberufsagentur. Sie knüpfen dabei an die Berufsorientierung an und verbinden diese mit der Beratung und Vermittlung im Rahmen der Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche oder mit der Überleitung in andere Anschlussperspektiven. 


Umsetzung

Aus den oben beschriebenen Konzepten ergeben sich folgende Kernbereiche einer nachhaltigen Berufs- und Studienorientierung:

  • Klärung der individuellen Interessen und Stärken,
  • Orientierung, Kompetenzprofil, Selbstorganisation und Lernplanung,
  • Praxiserfahrungen und individuelles Lernen in der Praxis bzw. an außerschulischen Lernorten,
  • Bildungsweg- bzw. Berufswegeplanung und bedarfsgerechte individuelle Beratung und Begleitung,
  • Verpflichtung aller Akteure zur Kooperation und Zusammenarbeit.

Die Berufsorientierung beginnt in der 8. Klasse und ist auf mehrere Schuljahre angelegt. Seit Beginn des Schuljahres 2011/2012 arbeiten die Stadtteilschulen eng mit den berufsbildenden Schulen und der Berufsberatung zusammen. Berufsschullehrer/-innen übernehmen vor allem in den Jahrgangsstufen 9 und 10 der Stadtteilschulen Aufgaben im Bereich der Berufs- und Studienorientierung. Dadurch werden u. a. Erfahrungen aus der Ausbildungspraxis und der Zusammenarbeit mit Betrieben im Rahmen von Lernortkooperationen eingebracht. Die Lehrkräfte bilden zudem die Schnittstelle zur Berufsberatung, die durch verschiedene Informations- und Beratungsangebote die Berufsorientierung insbesondere zu den Themen Ausbildung und Arbeit untersützt. Im Jahr 2013 veröffentlichte die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) ein Konzept zur Berufs- und Studienorientierung in den Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 der Stadtteilschule, welches nun an den Stadtteilschulen umgesetzt werden soll. An 26 Stadtteilschulen wird die Berufs- und Studienorientierung zukünftig inklusiv gestaltet. Ziel ist es, die Belange von Jugendlichen mit Behinderungen wirksam zu berücksichtigen. Weitere Konzepte für die Sekundarstufe I der Gymnasien sowie die Oberstufen an Gymnasium und Stadtteilschule werden in einem zweiten Schritt entwickelt.

Die Servicestelle BOSO: Berufs- und Studienorientierung für Hamburg" ist mit der Koordinierung und Umsetzung von Maßnahmen der vertieften Berufsorientierung an Hamburger Stadtteilschulen und Gymnasien in Abstimmung mit der Jugendberufsagentur beauftragt.

Neben den beruflichen Schulen, der Wirtschaft und anderen externen Akteuren sollen auch Eltern an der Berufsorientierung beteiligt werden. Für Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf werden darüber hinaus ggf. gemeinsame Gespräche unter Einziehung der Sorgeberechtigten und der Jugendhilfe durchgeführt, um gemeinsam eine Anschlussperspektive zu entwickeln.

Der Prozess der Berufsorientierung endet jedoch nicht immer nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule. Darum gibt es in Hamburg für die Jugendlichen, die nach der 10. Klasse noch keine Anschlussperspektive haben, ausbildungsvorbereitende Angebote, in der auch die Berufsorientierung eine zentrale Rolle spielt. Mehr zur Ausbildungsvorbereitung finden Sie hier.

Darüber hinaus werden in Hamburg zahlreiche Programme und Projekte über Bundes- oder Landesmittel finanziert, die im Rahmen des operativen Übergangsmanagements berufsorientierende Angebote nicht nur in allgemeinbildenden Schulen umsetzen.

 

Weiterführende Links

  • In der Handreichung für das Betriebspraktikum an allgemeinbildenden Schulen finden sich u. a. Ziele sowie inhaltliche und organisatorische Aspekte des Betriebspraktikums. Sie wendet sich vornehmlich an Lehrer/-innen, die in den Sekundarstufen I und II der allgemein bildenden Schulen Betriebspraktika organisieren und begleiten. Gleichermaßen sind aber auch Betriebe, Institutionen, Verbände und alle Organisationen angesprochen, die Praktikumsplätze anbieten bzw. vermitteln können oder an der Gestaltung der Praktika Interesse haben.
  • Mit dem PraxisLerntag wird ein Konzept zur schulischen Berufsorientierung umgesetzt, mit dem Schüler/-innen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Berufswünsche entwickeln, in der Praxis erproben und überprüfen können. Gleichzeitig erhalten die Schüler/-innen längerfristig und kontinuierlich Einblicke in verschiedene Berufsfelder, die zu einer zielgerichteten Berufswahl führen und die Quote derer, die im Anschluss an die Sekundarstufe I in die betriebliche Ausbildung übergehen, erhöhen soll. Die schulischen Lernerfahrungen der Schüler/-innen werden durch die wöchentlichen praktischen Lernerfahrungen in den Betrieben ergänzt.
  • Seit Sommer 2010 wird in Hamburg ein Berufs- und Studienwegeplan eingesetzt. Der Berufs- und Studienwegeplan dient sowohl der Planung der individuell erforderlichen Schritte als auch der Dokumentation des Standes der Übergangsplanung nach Klasse 10. Der Berufswegeplan wurde im Schuljahr 2010/2011 zunächst in allen Abschlussklassen und modellhaft ab Klasse 8 an sechs Schulen der Regionen Billstedt-Horn, Elbinseln und Lurup/Osdorf eingeführt. Seit dem Schuljahr 2011/2012 wird die Berufsorientierung flächendeckend ab Klasse 8 angeboten. In den Rahmenvorgaben zur Umsetzung finden Sie auch den Berufswegeplan.
  • Auf der Website der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Hamburg finden Sie viele nützliche Informationen, Links und Broschüren rund um die Ausbildungs-, Berufs- und Studienwahl für Schüler/-innen und Lehrer/-innen.
  • Hier finden Sie u. a. Checklisten der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWirtschaft für die "Gelungene Berufs- und Studienorientierung an Schulen der Sekundarstufe I und mit Sekundarstufe II".
  • Die Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT Hamburg organisiert und fördert die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft und bietet Berufsorientierungsseminare für Schülergruppen, Schulprojekte und Lehrerfortbildung an.
  • Das Zentrum & Schule Wirtschaft des Landesinstitut für Lehrerfortbildung Hamburg unterstützt und berät Schulen in Fragen zur Berufsorientierung und zur ökonomischen Bildung.