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Kompetenzfeststellungsverfahren

Grundlagen

"Unter Kompetenzen versteht man die Handlungsfähigkeit eines Menschen in einer Anforderungssituation. Genauer gesagt sind damit persönliche Voraussetzungen (Dispositionen) gemeint, die es ermöglichen, in einer Situation selbstorganisiert zu handeln. Dabei steht nicht nur das Wissen, sondern dessen Anwendung im Vordergrund. Neben Fähigkeiten und Fertigkeiten können Kompetenzen auch Emotionen, Einstellungen, Erfahrungen, Antriebe, Werte und Normen umfassen" (Bundesinstitut für Berufsbildung BIBB).

Beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder Beruf spielen nicht nur die Entwicklung und der Erwerb von Kompetenzen eine bedeutende Rolle, sondern auch deren Erfassung.

Kompetenzfeststellungsverfahren und Potentialanalysen ermöglichen zum einen die Erfassung und Weiterentwicklung bereits vorhandener Kompetenzen sowie zum anderen die Identifikation fehlender oder nicht ausreichender Kompetenzen. Die Dokumentation von Fähigkeiten, Kenntnissen und Erfahrungen dient darüber hinaus auch der Einschätzung von Voraussetzungen, Wünschen und Zielen der Jugendlichen.

Die Ergebnisse der Kompetenzfeststellung bilden die Grundlage für eine individuelle, passgenaue Planung des weiteren Bildungsweges.

In der Arbeit mit Jugendlichen geht es in der Regel um die Feststellung der Handlungskompetenz, die sich aus den folgenden Teilbereichen zusammensetzt:

  • Fach- und Methodenkompetenz zur Erfassung von fachlichen Kenntnissen und Fähigkeiten;
  • Personale Kompetenz, die Aufschluss gibt z. B. über Selbstständigkeit, Reflexionsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein;
  • Sozialkompetenz zur Feststellung der Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Kooperationsfähigkeit.

Zur Feststellung bzw. Messung der jeweiligen Kompetenzen werden unterschiedliche Methoden angewendet. Zu ihnen gehören u. a.:

  • Interviews, die von der freien Gesprächsform über teilstrukturierte bis zu vollstrukturierten Varianten mit standardisiertem Ablauf und Fragestellungen reichen. Im beruflichen Übergangssystem werden diese Interviews häufiger in Form von Erstgesprächen oder Eingangsberatungen geführt.
    Darüber hinaus gewinnt das biografische Interview an Bedeutung, das auf der Annahme beruht, dass sich aus der Biografie eines Menschen, seiner Sozialisation und seinen Erlebnissen Kriterien ermitteln lassen, die auf bestimmte vorhandene Kompetenzen hindeuten und Aufschluss über künftiges Verhalten geben.
  • Arbeitsproben, die auf ein Arbeitsergebnis abzielen, das auf Grundlage einer Arbeitsanweisung oder einer Aufgaben- bzw. Problemstellung gefordert wird. Der Begriff Arbeitsprobe wird überwiegend für motorische Aufgaben verwendet.
  • Testverfahren, die sich inhaltlich und methodisch stark unterscheiden können. Mit Hilfe von Leistungstests lassen sich sowohl kognitive als auch nicht kognitive Fähigkeiten feststellen.
  • Persönlichkeitstests, welche dagegen eher die Merkmale einer Person messen, die an bestimmte Eigenschaften, Neigungen und Einstellungen gebunden sind.
  • Selbsteinschätzungsverfahren, anhand derer Jugendliche ihre Kompetenzen selbst bewerten. Die Selbsteinschätzung, Selbstbeobachtung oder -beschreibung erfolgt meist über Fragebögen.
  • Fremdeinschätzungsverfahren, die zumeist in Kombination mit Selbsteinschätzungen erfolgen. Bei dieser Methode beurteilen Beobachter/-innen (z. B. Lehrer/-innen, Ausbilder/-innen oder Eltern) die Kompetenzen. Ein klassisches Beispiel für Fremdeinschätzungsverfahren ist das Assessment-Center.
  • Assessment-Center (AC), das vorwiegend als Instrument zur Kompetenzfeststellung bei Einstellungsverfahren eingesetzt wird, aber unter bestimmten Bedingungen auch zur Ermittlung des individuellen Förderbedarfs bei Jugendlichen angewendet wird. In einem AC werden verschiedene Einzelmethoden kombiniert. Das Verhalten der Jugendlichen wird durch geschulte Beobachter/-innen mittels eines Beobachtungsschemas beurteilt und ausgewertet.
  • Portfolios, die im Rahmen von Selbsteinschätzungen zunehmend zum Einsatz kommen. Neben der Dokumentation von Lernergebnissen (z. B. Zeugnisse) steht die Entwicklung des/der Einzelnen im Mittelpunkt des Interesses. Portfolios verfolgen dabei zwei Ziele. Sie dienen einerseits zur Selbstbeurteilung der Jugendlichen und andererseits ermöglichen sie eine Fremdeinschätzung durch andere Personen (z. B. Mitschüler/-innen, Lehrer/-innen).

(Vgl.: Modelle der Kompetenzfeststellung im beschäftigungs- und        bildungstheoretischen Diskurs unter besonderer Berücksichtigung von Gender Mainsteaming. Ruth Enggruber /Christian Bleck, 2005.)

Die Auswahl und konkrete Ausgestaltung der Methoden zur Kompetenzfeststellung obliegen in der Regel den Schulen und Trägern.

 

Weiterführende Informationen

            
                   

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